Die Leiden des jungen Social Media Managers – ein Drama in zwei Akten. So oder ähnlich könnte ich meinen heutigen Beitrag zusammenfassen. Grund dafür sind zwei ernüchternde Social Media Stories, die heute die Runde im Netz machten:
1) Pril: Klassischer “Epic Fail” in Sachen Social Media
Die Henkel’sche Spülmittel-Marke Pril wollte sich in punkto Crowdsourcing profilieren und startete einen Design-Wettbewerb: User sollten Ihre persönliches Etikett designen, die Sieger-Flaschen kommen in den Handel…
…dabei sind die Ergebnisse nicht so ganz verlaufen, wie sich Pril das gewünscht hatte – was schon vor einem Monat abzusehen war, als viele der eingereichten Designs wohl nicht ganz nicht den Vorstellungen des Unternehmens entsprachen (nachzulesen z.B. bei Jens Stratmann, am Marketing Shop Blog oder auf Spiegel.de).
Zudem war es anscheinend sehr leicht, das Voting-System auf der Pril-Seite zu manipulieren. Somit war das Malheur perfekt: das “bahnbrechende” Design “Priiiiiiil” (siehe Foto) war der absolute Liebling der Community… Nach “offiziellen Wertungs-Korrekturen” und Jury-Entscheidungen konnte Pril dann aber noch die Kurve kratzen – zog sich jedoch den Zorn der Community zu und musste auf Facebook einen ordentlichen “Shitstorm” (elegante Bezeichnung für User-Proteste im Web) über sich ergehen lassen. Näheres dazu u.a. auf dem wildner Blog, bei KAin-Animations, auf Focus.de oder “Live” auf der Pril Facebook Fanpage.
Solche Pannen hatten wir in der Vergangenheit schon genug, deshalb keine weitere Diskussionen… Aber: da ich selbst in der Praxis schon mal einen ähnlichen Fall hatte – wenn auch weitaus weniger fatal – hier drei Empfehlungen an die geneigten Freunde von Voting-Aktionen:
- Voting-Systeme auf Webseiten können mitunter manipuliert werden (oft sehr einfach mit IP-Change). Wenn schon Votings, dann das ganze über eine Facebook App mit Hand und Fuß abwickeln. Dann sollte alles sicher verlaufen…
- Man sollte sich im Klaren sein, dass Wahlen nicht immer das gewünschte Ergebnis bringen – am besten, bereits im Vorhinein einen Krisenplan erstellen und Worst-Case-Szenarien durchgehen.
- Was immer auch passiert: man sollte es mit Humor nehmen und sich nicht als Spielverderber präsentieren
2) Wie hoch ist die Reichweite einer Facebook Fanpage wirklich?
Jeder Community Manager kennt das: die Fan-Anzahl auf der Fanpage steigt und die Insights von Facebook zeigen Hammer-Werte in punkto Reichweite an. Aber trotzdem ist es immer wieder ein hartes Brot, Likes oder gar Kommentare der Anhängerschaft zu erhaschen…
…es stellt sich immer wieder die Frage: wer sieht überhaupt meine Facebook Status Updates? Diesem Thema widmete sich der heutige Beitrag auf facebookbiz.de. Das vernichtende Ergebnis nach Analyse des “Edgerank Algorithmus” von Facebook: bis zu 75 % der Fans einer Seite sehen die Posts einer Fanpage NICHT in Ihrem Newsfeed – na bumm.
Da werden dieser Tage in einigen Social Media Abteilungen lange Gesichter herrschen…
Aber Kopf hoch – mein zynischer Rat des Tages: Auftraggeber sind meist ohnehin mit einfachen Kennzahlen wie der Anzahl der Fans zufrieden. Solange sich alles schön mit nach oben zeigenden Grafiken visualisieren lässt – perfekt! Wer damit leben kann, ist auf der sicheren und zufriedenen Seite…
…ich jedoch nicht. Deshalb das Gebot der Stunde: sich Gedanken jenseits der Reichweite machen.
Zum Beispiel über Qualität: Eine Fanpage muss für die Fans “innerhalb” von Facebook relevant sein, unterhaltsam und informativ sein – dann klappt’s auch mit der Interaktion und dem Dialog, dann klappt’s auch mit der Relevanz in den Newsfeeds.
Oder über Komplementär-Kommunikation: Kunden und Interessierte müssen “außerhalb” von Facebook animiert werden, auf der Seite Fan zu werden, mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten und (positive) Erfahrungen mit der Brand mit anderen Usern zu teilen. Hat man das erreicht, dann ist die Page ein ordentlicher Reputations-Booster für die Öffentlichkeit – ungeachtet der eigentlichen Reichweite auf Facebook selbst.

Sehr schönes Beispiel! Vor allem gefällt mir die 75. Das erzähle ich derzeit auch gerade meinen Kunden in Workshops. Es ist erstaunlich wie wenig Leute eigentlich einen Post sehen. Die Jagd nach der möglichst größten Zahl muss echt mal ein Ende nehmen.
Ich trau mich sagen, dass wahrscheinlich 2/3 der Fanpages fast keine Nennenswerte Relevanz für User und Interaktionen mit Usern haben. Die Jagd nach möglichst vielen Fans kann es wirklich nicht sein.
Von: Andreas Jaritz am Mai 18, 2011
um 8:26 pm
Hey Rob,
schöner Artikel!
Ich wünschte 1/3 der Pages würden relevante, für Fans Mehrwert stiftende Inhalte spielen. Apropos: Sehe im Content-Marketing auch den entscheidenden Knackpunkt für den Erfolg im Social Web. Mein Eindruck ist, dass noch viel zu wenige Unternehmen und Agenturen dieses höchste Gut im Social Web “Content” zielorientiert einzusetzen verstehen. Da fehlt IMHO auch die Wertschätzung gegenüber gutem Content, dessen Erstellung nun schließlich auch Ressourcen bindet.
Von: Christian Wochagg am Mai 18, 2011
um 8:43 pm
Hallo Chris. Das mit dem Content sehe ich genauso…
Es ist halt ein bisserl eine Zwickmühle: “Leider” ist Content-Erstellung kein Kerngeschäft eines Unternehmens (außer halt von Medien-Unternehmen), also kann man a) wenig Ressourcen dafür aufwenden, dann ists lauwarm und bringt nix, oder b) es gscheit machen und viel Resourcen reinstecken oder zukaufen. Dann ist es guter Content, aber es ist noch immer nicht garantiert, dass damit die Unternehmensziele nachweislich erreicht werden…
Deshalb ist es oft schwierig, als Unternehmen ein klares Bekenntnis in punkto Content zu machen. Ich sag halt: entweder ganz oder gar nicht
Von: Robert Lecker am Mai 19, 2011
um 7:54 am
Ich glaube, das Problem mit der Relevanz ist einfach, dass es grundsätzlich ein geringes Potential dafür gibt, dass Menschen und Marken im Netz miteinander kommunizieren. Auch wenn man als Markenvertreter glaubt, für seine Fans relevant zu sein, so ist es in der Realität doch eher so, dass Menschen soziale Netzwerke nutzen, um mit Ihren Freunden zu kommunizieren und nicht mit den Produkten die sie kaufen… (bei mir zumindest erzeugt ein Urlaubsfoto von einem Freund mehr Gesprächsbereitschaft als ein Produktfoto von einer Schuhmarke
)
…also muss man wirklich hart dran bleiben, einen Mehrwert für die Nutzer zu schaffen, sonst wird man in der Versenkung der Newsfeeds verschwinden…
Von: Robert Lecker am Mai 19, 2011
um 8:01 am
hi robert, für mich war einiges neues dabei! sehr informativer beitrag – würde mich über mehr dieser art freuen!! alles liebe, kupsi
Von: kupscake am Mai 19, 2011
um 6:44 am
Vielen Dank für die Blumen – ich werd mich bemühen
Von: Robert Lecker am Mai 19, 2011
um 8:02 am