Gute Image-Videos zu machen ist eine der härteren Disziplinen guter Kommunikationsarbeit. Besonders hart wird es, wenn der Clip auch noch peinlich ist und man per YouTube zur unfreiwilligen Lachnummer im Netz wird. Schon so manche Institution hat sich dabei auf gröbste lächerlich gemacht, ich zitier da nur mal das legendäre Bundesheer Video.
Über derstandard.at bin ich dieser Tage auf ein echtes Gustostückerl in Sachen Videokunst gestoßen: ein Meisterwerk der Tiroler ÖVP-Frauen, in dem die “Frau von heute” als “Heldin des Alltags” präsentiert wird. Vorhang auf, Film ab:
Obwohl das Video wenig Staub aufgewirbelt hat, möchte ich es an dieser Stelle kurz diskutieren, weil es doch dreierlei Diskussionspunkte aufwirft:
Erstens: das Frauen- und Weltbild der ÖVP Frauen
Die Frau wird hier gezeigt als unterwürfige Dienerin, die neben der Haushaltsarbeit und Kinderbetreuung natürlich auch noch Karriere macht und im Beruf ihren Mann steht. Zudem soll wohl auch ein bisserl “provoziert” werden, wenn die Frau dann auch noch als “die erotische” dargestellt wird, indem sie sich die Bluse auszieht und nur im BH bekleidet Ihrem Mann die Füße massiert – während dieser sich genüsslich ein Bierchen hinter die Binde gießt.
Obwohl ich durchaus ein Genießer von Fußmassagen bin, finde ich es schon sehr engstirnig, der patriarchalen Unterwerfung der Frau ein bisschen Karriere-Frau hinzuzufügen und zu glauben, dass dies ein modernes Frauenbild ergibt. Aber hier will ich nicht zuviel Kritik üben (das überlass ich den Feministinnen), denn Weltbilder sind immer subjektiv und ich respektiere nunmal auch die Ansichten der Tiroler ÖVP.
Zweitens: der Kontrollverlust im Social Web
Die schwarzen Damen aus dem Tiroler Ländle wollten das Video anscheinend nach der Veröffentlichung wieder vom Netz nehmen (Kann ich Ihnen nicht verübeln
). Nix da, wurde gleich wieder von einem Youtube User hochgeladen, dort wurde es wieder entfernt, nur um von einem anderen User wieder hochgeladen zu werden. Also wird dieses cineastische Meisterwerk der Weltöffentlichkeit wohl erhalten bleiben, ob die ÖVP es will oder nicht.
Also alles easy, oder? Nein, denn eines verwundert und verärgert mich immer wieder bei solchen Kunstwerken:
Drittens: Wie schafft man es, so einen Bockmist
zu produzieren und auch noch zu veröffentlichen?
Die ÖVP ist ja eine seriöse Partei mit professionellen Leuten, da müsste ja gut gearbeitet werden… Es gibt in großen Unternehmen und Institutionen ja komplexe Freigabe-Prozesse, wo ewig viele Leute hundert mal drüberschauen und ihren Senf dazugeben, bevor irgendwas an die Öffentlichkeit geht. So ein Video produziert ja nicht eine Person allein im dunklen Kämmerchen und hat es in fünf Minuten fertiggestellt und veröffentlicht…
…und trotzdem sieht der Clip aus, als hätte eine Schüler-Projektgruppe der HAK Hintertupfingen das erste Mal mit Windows Movie Maker experimentiert: die Darsteller passen überhaupt nicht zusammen, die ganzen Requisiten wirken schnell zusammengeschustert, die Darstellungen strotzen nur so vor Banalitäten und Klischees.
Fazit: Mein neuer Berufswunsch
Das nehm ich aber niemandem übel, sondern fühle mich inspiriert: ich wäre eigentlich gern die Agentur, die mit solchem Bullshit Geld verdient und das wahrscheinlich nicht zu knapp. Denn bedenkt man Politik-Honorare á la Grasser-Website, dann gingen für diese Video-Produktion gut und gerne weit mehr als 10.000 Euro über den Ladentisch.
Zum Abschluss noch mein Rat an die ÖVP Frauen Tirol: Ihr könnt gern zu Eurem Welt- und Frauenbild stehen; aber bitte packt es in professionellere Videos. Dann dürft Ihr bei der nächsten Fußmassage auch die Bluse an lassen.
GLG, Euer Robert.
P.S.: mein geschätzter Kompagnon Thomas Borstner hat mich übrigens auf noch eine Perle aus der ÖVP’schen Cineastik Marke “Tiroler Ländle” aufmerksam gemacht. Die scheinen ja echte Video-Künstler zu sein…
P.P.S.: Und wenn wir schon beim ÖVP-Bashing sind, dann gleich richtig: dieses funky Video der coolen Jungen ÖVP Wien (ebenfalls gefunden über derstandard.at) bestätigt wieder mal die alte Maxime: “ich will nie so alt werden wie die junge ÖVP jetzt schon ist”.
P.P.P.S.: Politischer Disclaimer: Ich gehöre keiner politischen Partei an, möchte der ÖVP mit diesem Post nicht bewusst schaden und respektiere die ÖVP als eine professionelle Partei, die gute Arbeit leistet. Sinn dieses Posts war es nur, mich über die Videos Ihrer Landesorganisationen lustig machen