Verfasst von: Robert Lecker | Januar 27, 2009

Über die Verantwortung heimischer Banken…

Attac legte gestern eine Liste mit österreichischen Banken vor, die nach wie vor Niederlassungen in Steueroasen wie den Cayman Islands, Malta oder Jersey unterhalten. Die Pressemitteilung und die besagte Liste gibt es auf der Attac-Homepage, Kurzmeldungen zur Thematik werden dieser Tage öfters über den Attac-Twitter-Client veröffentlicht. Zusammenfassend kann man sagen, dass auf dieser Liste alle relevanten österreichischen Finanzinstitute zu finden sind. Attac merkt dazu noch lakonisch an, dass die Liste “keinen Anspruch auf Vollständigkeit” erhebt und dass dies lediglich die Spitze eines Eisbergs sein könnte…

Schätzungen gehen davon aus, so Attac, dass dem österreichischen Staat dadurch jährlich bis zu zwei Milliarden Dollar an Steuereinnahmen entgehen… Natürlich ist dies eine Zahl, die von Attac vorgelegt wurde und bevor man die Banken verurteilt, wäre es interessant, eine Gegendarstellung der Kreditinstitute zu hören. Trotzdem, ohne in die derzeit gängige Wirtschafts-Krisen-Polemik zu verfallen, muss ich schon eines loswerden: 

Wie geht das zusammen, dass der österreichische Staat mit Steuergeld Rettungspakete für angeschlagene Banken beschließt, wenn dieselben Banken seit Jahren alle möglichen (legalen) Tricks anwenden, um sich wo nur möglich Steuern zu ersparen? Wo ist in dieser Hinsicht die viel beschworene Corporate Social Responsibility, die sich auch die Banken gern an die Brust heften? Immerhin sind das jene Banken, die auch gute Plätze im österreichischen CSR-Ranking einnehmen. Haben diese CSR-affinen Kreditinstitute noch nicht realisiert, dass CSR auch eine ökonomische Dimension hat? Dass es auch eine Facette unternehmerischer Verantwortung sein kann, dass man der Gesellschaft etwas von den erzielten Gewinnen zurück gibt? Aber “Erklärungen” und “Entschuldigungen” gibt es ja viele: Globaler Konkurrenzkampf, Shareholder-Value, Rendite- und Ertragssteigerung,  etc… 

…dabei ist “Fair Steuern” eines der nächsten großen Themen unternehmerischer Verantwortung, wie ich jüngst bei einem Vortrag über Nachhaltigkeits-Trends gehört habe. Dabei geht es darum, dass Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung auch insofern wahrnehmen, als dass sie nicht nur das unbedingt Nötige an Steuern abliefern, sondern sich dem Staat und der Gesellschaft gegenüber fair zeigen und “ehrlich” Steuern zahlen, ohne alles (legal) Denkbare zu tun, um sich jeden möglichen Cent zu sparen. So kann man einen guten Beitrag zu einer funktionierenden Gesellschaft leisten, so kann richtige CSR aussehen, die weit über Spenden-Schecks und andere Charity-Aktionen hinausgeht. Vielleicht sollte sich ein solches Bewusstsein auch in den Vorstandsetagen unserer Banken etablieren…


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  1. Warum sollten Banken das tun?


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