Nachdem uns die Finanzkrise nach wie vor beschäftigt und eine Rezession anscheinend unmittelbar vor der Tür steht, läuft der aktuelle CSR-Diskurs zunehmend auf die Frage hinaus, was denn aus den CSR-Konzepten und vor allem aus den CSR-Ausgaben wird, wenn die Unternehmen im Zuge einer Rezession den Gürtel enger schnallen müssen…
…ich habe die Frage in einem Blog-Post schon mal kurz aufgegriffen, kurz und bündig lässt sich meine Meinung zum Thema folgendermaßen zusammenfassen:
Es ist anzunehmen, dass eine wirtschaftliche Rezession kurzfristig schon zu einem Rückgang der Ausgaben für bestimmte “konkrete” CSR- oder CC-Projekte führen wird, nichtsdestotrotz glaube ich, dass die strategische Seite der CSR durch die Krise in ihrer Relevanz gestärkt wird. Denn immerhin geht es bei der Wirtschafts- oder Finanzkrise ja vor allem darum, dass sehr risikoreich und wenig nachhaltig gewirtschaftet wurde, wodurch Kapital und vor allem auch Vertrauen vernichtet wurde…
…dies sollte einen Lerneffekt in der (Finanz-) Wirtschaft in Gang setzen: verantwortungsvoll und nachhaltig zu wirtschaften sowie Vertrauen zu generieren führt zu langfristigem wirtschaftlichen Erfolg und reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Krise. Punkt.
Einen anderen Zugang zur Thematik zeigte Toby Webb unlängst im Blog des Magazins ‘Ethical Corporation’ auf – er veröffentlichte 10 Gründe, warum Unternehmen gerade wegen der Rezession ihre CSR-Strategien weiterverfolgen sollten. Hier eine kurze Zusammenfassung:
- CSR kann kostengünstig sein: CSR ist nur dann teuer, wenn es das Geschäftsmodell an sich verändert, ansonsten kann es meist ohne große Kosten implementiert werden. Zudem spart eine nachhaltige Verwendung von Ressourcen (‘going green’) Geld.
- Reputation und Transparenz sind nach wie vor Schlüsselwerte: in Krisenzeiten umso mehr als sonst.
- Standort-Gemeinden sind in der Krisenzeit nicht abgesichert: deshalb benötigen sie umso mehr (unternehmerische) Führungsqualitäten bei gesellschaftlich relevanten Themen.
- Kunden sind verunsichert und suchen Vertrauen: Kommunikation über Verantwortungsthemen schafft deshalb in Krisenzeiten Anknüpfungspunkte und Sicherheit für Kunden.
- Verantwortung sichert Freiheit gegenüber Regulierung: in Krisenzeiten neigt die Politik dazu, der Wirtschaft strengere Regulierungen aufzuerlegen [Anm.: Was meines Erachtens nicht per se schlecht ist...]. Wenn Unternehmen jetzt zeigen, dass sie nachhaltig agieren und neben ökonomischen auch gesellschaftliche Ziele verfolgen, dann mag auch die Politik der Wirtschaft gegenüber einsichtiger gestimmt sein.
- ‘Green Advertising’ ist im Mainstream angelangt: Gute Kommunikation über “grüne” Themen hat große Wirkung in der Öffentlichkeit – vor allem, wenn “grün” für die Menschen mit Vorteilen verbunden ist.
- Medien nehmen unverantwortliche Unternehmen verstärkt und die Lupe: da die Wirtschaftskrise auch ein wichtiges Thema im öffentlichen Diskurs ist, suchen Medien jetzt verstärkt nach Negativ-Meldungen. Deshalb kann verantwortungsbewusstes Wirtschaften in Krisenzeiten helfen, sich negative Berichterstattung über das eigene Unternehmen zu ersparen.
- Genau jetzt besteht die Möglichkeit, Vertrauen zu schaffen und sich von der Konkurrenz abzugrenzen: wenn alle anderen ihre CSR-Strategien zurückfahren, dann steht logischerweise jenes Unternehmen gut da, das trotz der Krise am verantwortlichen Unternehmertum festhält.
- Wer jetzt durchhält, steht nachher besser da: Rezessionen dauern nicht ewig. Geht es dann wirtschaftlich wieder aufwärts, stehen vor allem jene Unternehmen gut da, die in ihren CSR-Berichten anführen können, auch während einer Krise an ihren Werten und ihren CSR-Strategien festgehalten zu haben.
- Beim zehnten Grund kann ich den Autor nicht ganz nachvollziehen, darum belasse ich es bei neun Gründen, warum CSR gerade in Krisenzeiten wichtig ist. Interessant wäre zu wissen, was die LeserInnen des ‘Fokus Verantwortung’ von diesen Argumenten halten – Diskussion wie immer erwünscht…