Verfasst von: Robert Lecker | Oktober 27, 2008

Die „digitale Dimension“ der Verantwortung

Letzten Samstag wurden wieder mal die ‘Big Brother Awards’ verliehen – diese Preise werden an jene Personen, Unternehmen oder Institutionen vergeben, die sich im Bereich „Verletzung der Privatsphäre“ ganz besonders hervortun. Wer nun glaubt, dass es hier vor allem um Videoüberwachung und „klassische“ Bespitzelung geht, der irrt: die meisten der Preisträger 2008 - unter denen man Prominenz wie die Sicherheitssprecher von SPÖ und ÖVP oder auch die Post AG findet – haben im Bereich digitaler Daten (Datenschutz) die Privatsphäre der BürgerInnen verletzt.

Was das ganze nun mit Corporate Social Responsibility zu tun hat? Ziemlich viel, denn der Kontext um den Bereich Datenschutz bringt zunehmend auch den Ruf nach unternehmerischer Verantwortung mit sich.

Der Sachverhalt: Immer mehr Bereiche unseres Lebens und unserer Kommunikation verlagern sich in virtuelle Räume, immer mehr Information von und über uns werden digitalisiert und zudem sind die technischen Vorraussetzung zur Aufzeichnung, Archivierung und Weitergabe sämtlicher Daten vorhanden. Es ist jedoch längst nicht mehr nur Väterchen Staat, der im Fall der Fälle zu Zwecken der „Sicherheitspolitik“ gern schnellen Zugriff zu allerlei Daten seiner BürgerInnen hat.

Vielmehr ist es eine logische Entwicklung unseres Informationszeitalters, dass einerseits immer mehr Unternehmen in irgendeiner Weise digitale Daten Ihrer KundInnen archivieren (müssen) und auch immer mehr Unternehmen ein Geschäftsmodell haben, dessen Mittelpunkt die Datenbestände ihrer NutzerInnen sind. Hierzu spannt sich ein weiter Bogen von  “klassischen“ Unternehmen, die z.B. ein wenig Online Customer Relationship Management betreiben, bis hin zu Unternehmen aus dem Bereich Telekommunikation und Internetökonomie, für die Information über NutzerInnen ein wichtiger Wertschöpfungsfaktor sind – Beispiele für Kritik an letzteren wären beispielsweise die Datensammelei von Google oder die schwachbrüstigen Privatsphäre-Standards von diversen Social Networks (kurzer Bericht: hier). 

Diese Verfügungsgewalt, die Unternehmen über Daten ihrer KundInnen haben, bringt eine der meines Erachtens zentralen Herausforderungen an die unternehmerische Verantwortung der Gegenwart und Zukunft mit sich: wie wird eine Privatsphäre und Daten-Integrität der BürgerInen, KonsumentInnen und NutzerInnen gewährleistet? Das heißt, neben den klassischen CSR-Bereichen einer sozialen, ökonomischen und ökologischen Verantwortung sollten Unternehmen verstärkt eine „digitale“ Dimension ihrer Verantwortung andenken und dies in Ihre CSR-Strategien aufnehmen. Fragen wie „welche Daten werden gesammelt?“, „zu welchen Zwecken werden sie archiviert?“, „für wen sind sie einsehbar?“ oder „in welchem Fall werden sie weitergegeben?“ würden in diesem Zusammenhang relevant werden. Klare Statements und eine freiwillige Selbstverpflichtung wären dabei wichtige Schritte im Sinne einer demokratischen Gesellschaft und könnten auch Vertrauen seitens der NutzerInnen schaffen…

Deshalb frage ich mich, inwieweit dieses Bewusstsein in der Wirtschaft schon angekommen ist, wie der Stand der Dinge in der Konstellation „CSR und Datenschutz“ ist und bin natürlich über sämtliche Hinweise, Aufklärungen, Links, Diskussionen hier im Blog, etc. sehr dankbar. Vielleicht ergibt sich dadurch in nächster Zeit hier im ‘Fokus Verantwortung’ ein Bericht, der die Thematik ein wenig tiefergehender beleuchtet.


Antworten

  1. Rob,

    What is this website about my German is a little rusty, like zero??


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