Verfasst von: Robert Lecker | Oktober 9, 2008

Finanzmarkt und Verantwortung: Paradoxon oder Notwendigkeit?

Während uns die globale Finanzkrise Tag für Tag um die Ohren pfeift und Notenbanken sowie Regierungen eifrig an Auffangplänen und Notfall-Fonds basteln, stellte sich für mich in letzter Zeit des öfteren die Frage, wie man eine solche Misere zukünftig verhindern könnte.

Regierungen tun natürlich gut daran, derzeit über (internationale) Regulierungen des Finanzmarktes zu diskutieren, mittels derer mehr Transparenz und Kontrolle erreicht werden soll. Doch solche Lösungen brauchen einerseits ihre Zeit, bis sie implementiert werden, andererseits stellt sich in dieser Hinsicht natürlich auch die Frage, welche Form der Selbstregulierung und der Verantwortung die Finanzbranche übernehmen kann, soll oder muss…

…also Corporate Social Responsibility für Investmentbanken und Wertpapier-Spekulanten? Klingt einfach, ist meiner Ansicht nach jedoch schwierig:

CSR heißt ja bekanntlicherweise, dass man gesellschaftliche und ökologische Belange auf eine Stufe mit finanziellen Zielen stellt, Interessen des Unternehmens auf eine Ebene mit Interessen der Stakeholder stellt und das Unternehmen als wertstiftende Instanz definiert. Und das ist am Finanzmarkt heikel, denn immerhin geht es hier (soweit ich weiß) grundsätzlich um kein anderes Ziel als Geld zu vermehren und das ganz steril mit “neutralem” Buchgeld, ohne dass damit eine wertstiftende Instanz verbunden ist (Anm.: Sollte ich mit dieser Annahme falsch liegen, bitte um Aufklärung…). Geld arbeitet hier des Geldes wegen. Hinzu kommt, dass Finanztransaktionen einem sehr kurzfristigen Zeitraum unterliegen, Konzepte wie Unternehmenskultur und Verantwortungsstrategie jedoch einem langfristigen Planungshorizont unterliegen.

Auf der anderen Seite jedoch – und das ist wichtig zu betonen – besteht das Konzept der CSR neben einer sozialen und ökologischen auch aus einer ökonomischen Säule, das heißt, dass modernes Unternehmertum auch wirtschaftliche Nachhaltigkeit erfordert – dies wäre sicherlich jener Teil der CSR, bei dem die Akteure der Finanzmärkte ansetzen müssten…

Somit wird die Konstellation “Finanzmarkt und Verantwortung” meines Erachtens das relevanteste CSR-Thema sein, das in nächster Zeit zu diskutieren ist. Für mich ist es jedenfalls “Top of the List” meiner Recherchen, über Hinweise und Diskussionsbeiträge in diese Richtung wäre sehr dankbar. Erste von mir gefundene Ansätze in diese Richtung wären:

  • Ende November findet in Arnoldshain/Deutschland die Tagung „Transparenz auf den Finanzmärkten“ statt, es soll dabei explizit auch Anknüpfungspunkte zum Thema CSR geben. Nähere Infos gibt’s hier.
  • Derzeit wird gerade an einer ISO-Norm zur Selbstregulierung von Rating-Agenturen gearbeitet, treibende Kraft dahinter sind die Agenturen selbst – einen Bericht dazu gibt’s hier in der heutigen Ausgabe von “Glocalist” .

Antworten

  1. [...] Finanzmarkt und Verantwortung – Paradoxon oder Notwendigkeit? Was bedeutet eine Finanz- und Wirtschaftskrise für CSR? Geht jetzt alles vor die Hunde? [...]


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