„Organisationskommunikation und CSR: Neue Herausforderungen an Kommunikationsmanagement und PR“ so der Titel eines brandneuen Buches, auf das ich aus zweierlei Gründen schon seit Monaten ungeduldig gewartet hatte:
Zum einen betrifft es genau jene Themenbereiche, mit denen ich mich in meiner Diplomarbeit auseinandersetze. Zum anderen sind es die AutorInnen, die beide am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Klagenfurt tätig sind, wo auch ich studiere bzw. arbeite: Matthias Karmasin ist ehemaliger Institutsvorstand und Franzisca Weder ist niemand geringeres als meine geschätzte Diplomarbeitsbetreuerin…
…also war ich hoch motiviert, das Buch endlich zu verschlingen und habe die 321 Seiten in den letzten zwei Tagen in einem lesetechnischen Kraftakt durchgeackert – was haben die beiden da vorgelegt?
Thematisch geht es darum, dass die Organisationskommunikation jene Abteilung sein soll, in der das Verantwortungsmanagement einer Organisation/eines Unternehmens geschieht, also um eine Integration von CSR- und Kommunikationsmanagement. Daraus entstehen neue Herausforderungen an die Kommunikation:
1) man muss soziale, ökologische und soziale Verantwortung kommunizieren
2) man muss auch über Kommunikation Verantwortung wahrnahmen, eine nachhaltige und ethische Kommunikation betreiben. Das heißt, einen aktiven Stakeholder-Dialog betreiben und somit die Gesellschaft in die Organisation bzw. das Unternehmen integrieren.
Soweit so gut, hört sich hier kurz und bündig an, ist es jedoch nicht. Denn was Karmasin und Weder da vorlegen, ist alles andere als leichte Kost:
Vorherrschend sind wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Theorien aus dem Bereich Ethik, Öffentlichkeit, CSR, Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften sowie den damit verbundenen Forschungsdefiziten und -Potentialen. Garniert wird das ganze durch die theoretischen Konstrukte der AutorInnen. Diese sind höchst interessant, die AutorInnen haben es geschafft, den CSR-Diskurs voran zu bringen, ihrer Zeit voraus zu sein und visionäres Gedankengut zu schaffen…
…weitaus weniger gefiel mir jedoch, dass ich beim ersten Durchlesen einen roten Faden vermisst habe: oft wirkten die Kapitel ein wenig hastig zusammengewürfelt. Aber das bessert sich wahrscheinlich bei mehrmaliger Lektüre. Ebenfalls kam mir vor, dass trotz der Ankündigung zur praktischen Auseinandersetzung mit dem Thema das ganze zumeist nur auf einer wissenschaftlichen Ebene verharrt – ein richtiger praktischer Lerneffekt war bei mir deshalb kaum gegeben.
Zu lesen wird das Buch für den Otto-Normal-CSR-oder-PR-Interessierten relativ schwierig sein, die meiste Zeit muss man sich durch ellenlange verschachtelte Sätze in bestem Wissenschafts-Deutsch kämpfen… Was jedoch nicht per se schlecht, sondern einfach zielgruppengerecht ist: denn dies ist definitiv ein Buch von WissenschaftlerInnen für WissenschaftlerInnen.
Somit sei „Organisationskommunikation und CSR“ vor allem Menschen höheren akademischen Ranges empfohlen – für Studierende oder für Praktiker im Bereich CSR od. Kommunikationsmanagement ist es meiner Meinung nach eher weniger geeignet.
Auch für mich und meine Diplomarbeit hat es nicht jene Bedeutung, die ich mir erwartet hatte. Was mir jedoch geschmeichelt hat ist, dass auf Seite 212 von „regionalen Stakeholder Netzwerken“ gesprochen wird – ein Begriff, den ich bereits im Juni 2007 in einer Seminararbeit für einen CSR-Kurs bei Franzisca Weder definiert habe. Was wiederum heißt, dass sie die Arbeiten ihrer Studierenden wirklich aufmerksam liest, was wiederum für die hohe Qualität ihrer Lehrveranstaltungen steht. Kompliment.

Interessant!
Schöner ausgewogener Kommentar zum Buch, kein Tröpfchen zuviel Honig verschmiert
Schön mal wieder etwas von der Franzisca, die ich noch aus dem ersten Semester kenne in dem sie die Vorlesung „Medien und Politik“ gehalten hatte, zu hören.
Von: Christoph Bauer am September 7, 2008
um 9:31
Danke für den Beitrag, weiter so!
Nur zwei Anmerkungen:
Wenn du den Begriff „regionale Stakeholder-Netzwerke“ definiert hast, dann lass uns doch daran teilhaben, was der bedeutet! Ein Link muss her!
In einem Punkt muss ich Kritik üben, und wie fast immer, handelt es sich um einen alten Hut: du schreibst, das Buch wäre für den Otto-Normal-CSR-Interessierten weniger geeignet, weil sich die Kollegen Karmasin/Weder in Wissenschafts-Deutsch ergehen. Positive Effekte kann ich dabei nur für die Autoren selbst erkennen, die ihre Message lediglich an ebenfalls wissenschaftlich Tätige aus dem selben Dunstkreis des bereits etablierten CSR-Wissensbestandes weitergeben wollen, und sich so dem interessierten Laien (in schnöder Arroganz?) verwehren… Naja, und für den stolzen Leser, der es trotzdem verstanden hat – Balsam für die Eitelkeit, hm? Da stelle ich mir die Frage: Verliert der Inhalt des Werkes, einmal in normalen Worten wiedergegeben, etwa an wissenschaftlicher Tiefe?
Dann wäre das mühselige Formulieren wieder nur eine Maßnahme, hochgespielte Expertenmeinung vom möglichen, neuen Hausverstand von Otto-Normal-CSR-Interessierten zu trennen…
Elitäres Gesabbel ist ja nicht gerade ein Bestandteil der CSR, die inkludieren wollen, wo nur möglich. In regionalen Stakeholder-Netzwerken beispielsweise? CSR kann nur über die Massen funktionieren. Wenn Karmasin und Weder soviel darüber wissen, sollen sie es auch teilen.
Trotzdem möchte ich bei aller Kritik festhalten, dass Frau Weder eine wahre Freude und Bereicherung für jeden Studenten ist.
Von: ponyhof08 am September 8, 2008
um 7:15