Verfasst von: Robert Lecker | Juli 9, 2009

Kommunikation und Verantwortung: Start einer Serie

Lange ist es her, dass ich das letzte Mal im ‘Fokus Verantwortung’ gepostet habe. Aber nach einer längeren Phase mit erhöhtem Arbeitsstress, dem Abschluss des Studiums und dem einen oder anderen gesundheitlichen Mätzchen ist jetzt endgültig die Zeit gekommen, das Bloggen wieder aufzunehmen…

…den Anfang macht gleich das für mich wichtigste Thema der letzten eineinhalb Jahre: CSR und Kommunikation. Oder anders formuliert: Kommunikation und Verantwortung. Was heißt das für die Fokus Verantwortung LeserInnen? In den nächsten Wochen werde ich mich hier im Blog mit der Frage beschäftigen, was Corporate Social Responsibility mit Unternehmenskommunikation bzw. Public Relations zu tun hat. Eines gleich vorweg: es wird um mehr gehen als um “CSR als PR-Gag”.

In einer Serie von mehreren Beiträgen werde ich aufzeigen, welche Verbindung zwischen diesen Disziplinen besteht, welche Rolle Kommunikation im CSR-Prozess einnimmt (bzw. einnehmen sollte), welchen Anforderungen sich die Unternehmenskommunikation vor dem Hintergrund von CSR stellen muss und was die Charakteristika von “nachhaltiger Kommunikation” sind. Abgeschlossen wird die Serie mit Erkenntnissen aus der Praxis, die ich im Rahmen einer Studie gesammelt habe.

Nachdem ich dieses Thema im Rahmen meiner Diplomarbeit behandelte, werde ich bei jedem Beitrag auch das dazupassende Kapitel als PDF zum Download anbieten. Den Anfang macht nächste Woche die Einleitung ins Thema – bis dahin beste Grüße an alle LeserInnen.

Verfasst von: Robert Lecker | Mai 4, 2009

CSR im Internet: die Community wächst

In den letzten Wochen und Monaten sind mir einige neue Web (2.0) Angebote aufgefallen, die sich mit Nachhaltigkeit und CSR beschäftigen. Langsam aber doch scheint sich also auch im Internet eine Community bzw. Öffentlichkeit für diese Themen herauszubilden, was hoffentlich auch zu einer Bewusstseinssteigerung für unternehmerische Verantwortung führen wird. Es wäre nun wünschenswert, dass Nutzerinnen diese neuen Plattformen nicht nur passiv verfolgen, sondern von den Eigenschaften und Möglichkeiten dieser neuen Kanäle (v.a. Interaktion, Feedback und Dialog, User-Generated-Content) Gebrauch machen, um die Diskussion über die Rolle der Wirtschaft in der Gesellschaft aktiv voranzutreiben.

Hier ein Überblick über ein paar Online-Plattformen, die entweder neu sind oder von mir in diesem Blog noch nicht erwähnt wurden:

  1. csr-blog.at
    Die österreichische CSR-Plattform respACT startete jüngst einen Weblog, auf dem ihre Mitglieder Einblicke in ihre CSR-Aktivitäten geben und Neuigkeiten aus dem Bereich CSR/Nachhaltigkeit/Verantwortung veröffentlichen. Durch meine derzeitige berufliche Tätigkeit bei respACT  konnte ich den Entwicklungsprozess dieser Plattform “hautnah” verfolgen.
     
  2. wikando.de
    Dieser Tage ging wikando.de online – eine Initiative, die zwischen Privatpersonen, Unternehmen und NGOs vermittelt, um gesellschaftliches Enagement zu fördern. 
     
  3. nachhaltigkeit.at
    Das österreichische Nachhaltigkeitsportal – ich weiß jetzt zwar nicht, wie “neu” es ist, kann es jedoch sehr empfehlen.
     
  4. carrotmob.org
    Sehr kreative Idee á la “Internet-Aktivismus trifft auf strategischen und nachhaltigen Konsum”. Eine Online-Community bzw. KonsumentInnen-Netzwerk, das ganz gezielt jene Unternehmen belohnt, die sich im Bereich Nachhaltigkeit auszeichnen. Un das mit einer Art Konsum-Flashmobs
     
  5. sustainevents.eu
    Hannes Offenbacher startete diesen Google Kalender, auf dem Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit gesammelt werden sollen. Nähere Infos gibt es im Blog “Besser gehts immer”.

So, damit wäre seit langem wieder mal ein Blog-Eintrag im ‘Fokus Verantwortung’ geschafft. Leider musste ich die Blog-Pause unfreiwillig verlängern, weil mir derzeit schlicht und einfach die Zeit und Muße zum bloggen fehlt. Trotzdem hoffe ich, im Laufe der nächsten Wochen meine mehrteilige Serie zum Thema “Kommunikation und Verantwortung – Unternehmenskommunikation und CSR” veröffentlichen zu können. Zusätzlich wartet ein dreiteiliger Gastbeitrag über die strategische Ausrichtung von CSR, der Anfang Juni soweit sein sollte. Stay tuned.

Verfasst von: Robert Lecker | März 11, 2009

Aufgehende Sterne im CSR-Web…

Auch wenn ich mich derzeit noch in einer “offiziellen Blog-Pause” bis Anfang April befinde, muss ich diese für zwei Bekanntgaben kurz unterbrechen:

  1. Neuer CSR-Blog: Romans Blog 
    Roman Mesicek ist österreichischer CSR- und Nachhaltigkeits-Veteran sowie Geschäftsführer von respACT, der größten CSR-Plattform Österreichs. Seit letzter Woche hat er sich endlich entschieden zu bloggen und spannt nun auf www.mesicek.com/blog einen sehr interessanten thematischen Bogen von CSR und Nachhaltigkeit, über seine Erfahrungen in der Karenz bis hin zu neuen Medien und Web 2.0, seinem Steckenpferd. Man darf gespannt sein, was da in Zukunft noch interessantes zu lesen sein wird…
     
  2. breathingearth.net: Echtzeit-Simulation weltweiter CO2-Emissionen
    Wer wissen möchte, wie hoch der CO2-Ausstoß verschiedener Länder ist, hat mit breathingearth.net nun eine grafisch sehr anschauliche Variante zur Verfügung. Zusätzlich wird auf der Weltkarte auch in Echtzeit angezeigt, wie viele Menschen wo auf der Erde gerade geboren werden und sterben, ebenso wird das Ansteigen der Weltbevölkerung simuliert. Interessant ist es allemal, jedoch bekommt man nach spätestens 30 Sekunden ein sehr unangenehmes Gefühl – die Wahrheit ist eben traurig, jedoch sehr zu empfehlen… 

So, jetzt geht’s weiter mit der Blog-Pause. Ich melde mich im April wieder – bis dahin sollte die Diplomarbeit fertig und die Gesundheit wieder hergestellt sein…

Verfasst von: Robert Lecker | Februar 28, 2009

Blog-Pause und Umfrage für einen guten Zweck

So, nachdem ich die letzten Wochen kaum mehr zum Bloggen kam, mache ich aus der privaten Not eine öffentliche Nachricht und rufe die erste offizielle Blog-Pause für den ‘Fokus Verantwortung’ aus: Durch verschiedene dringliche Verpflichtungen im Bereich Gesundheit, Arbeit und Diplomarbeit kann ich vorerst keine Zeit für mein CSR-Blog aufbringen und werde jetzt bis Anfang April mal nichts Neues schreiben…

…in der Zwischenzeit würde ich mich jedoch sehr freuen, wenn andere AutorInnen, ExpertInnen oder Studierende aus dem Bereich CSR Gastbeiträge veröffentlichen wollen. Erlaubt ist alles, was mit CSR zu tun hat, im Speziellen wäre ich sehr erfreut, zur Abwechslung mal kritischere Zugangsweisen zum CSR-Diskurs zu veröffentlichen.

Eine letzte Meldung hab ich jedoch noch parat:

Die Bonner Studierende Hanna Nari Kahle führt gerade eine Studie für ihre Diplomarbeit zum Thema CSR durch. Dafür gibt es eine Online-Umfrage, für die nun möglichst viele TeilnehmerInnen gesucht werden. Das beste dabei: Pro beantwortetem Fragebogen spendet das Unternehmen, für das Hanna ihre Diplomarbeit schreibt, je 1 Euro an die „Deutsche Kinder- und Jugendstiftung”. Die Beantwortung der Fragen wird ca. 10 – 15 Minuten dauern und richtet sich an Studierende und JungabsolventInnen. Die Umfrage ist 2-3 Wochen Online, der Link dazu lautet folgendermaßen:

http://www.unipark.de/uc/csr/

So, dann verabschied ich mich mal von der Online-Bildfläche und melde mich ab April mit dem Thema “CSR und Unternehmenskommunikation” zurück.

Beste Grüße, Robert Lecker

Verfasst von: Robert Lecker | Februar 12, 2009

Informationsplattform “Nachhaltige Beschaffung”

Das Jahr 2009 ist zwar noch jung, dennoch glaube ich, schon einen ersten Anwärter auf den Titel “CSR-Homepage 2009″ gefunden zu haben: auf www.nachhaltigebeschaffung.org wurde kürzlich eine Informationsplattform zum Thema Nachhaltige Beschaffung ins Leben gerufen…

…diese bietet umfangreiche Informationen zum Thema und zu internationalen Standards, eine Datenbank mit Praxisbeispielen (dzt. noch im Aufbau) und einen Self-Check, mit dem man als Unternehmen in aller Kürze einen ersten Überblick über das eigene Beschaffungsmanagement und eventuelle Optimierungspotentiale bekommen kann.

Dieses Web-Angebot ist insofern eine erfrischende Bereicherung für das CSR-Informationsangebot im Netz, weil Nachhaltige Beschaffung meiner Ansicht nach eines der zentralsten CSR-Themen der nächsten Zeit wird (bzw. werden sollte). Was ist damit überhaupt gemeint? Nachhaltige Beschaffung, oder auch nachhaltiger Einkauf bzw. Sustainable Supply Chain Management, bezeichnet die Ausrichtung der Einkaufspolitik und Zulieferkette eines Unternehmens nach sozialen und ökologischen Kriterien.

Und im Einkauf beginnt die Wertschöpfungskette eines Unternehmens, im Einkauf beginnt somit auch unternehmerische Verantwortung (respACT veranstaltete jüngst eine interessante Veranstaltung zum Thema). Hier haben Unternehmen wirklich die Möglichkeit, durch ihre Entscheidungen zu einem nachhaltigeren Wirtschaftssystem und zu einer besseren (globalen) Gesellschaft beizutragen. Denn die Nachfrage bestimmt das Angebot: Solange im Wettbewerb der Zulieferbetriebe lediglich der Preis zählt, wird es in Billig-Lohn-Ländern immer ethische Verfehlungen geben und die komplexen Zulieferketten der multinationalen Konzerne werden nie “sauber” sein. Erst wenn sich Firmen in ihrer Einkaufspolitik an soziale und ökologische Kriterien orientieren und dementsprechende Standards von ihren Zulieferbetrieben einfordern, können langfristige Veränderungsprozesse in Gang gesetzt werden.

Dies wäre zwar eine Facette unternehmerischer Verantwortung, die den Unternehmen mitunter auch “weh tut”, da nachhaltige Produkte und Rohstoffe meist auch mit höheren Preisen verbunden, dafür aber mit höherer Qualität, verbunden sind. Aber CSR muss manchmal auch “weh tun”, um zu einer besseren Welt beizutragen – es können nicht immer nur die “einfachen” Mittel wie Kunstförderung oder Bio-Kantine für mitteleuropäische Fachkräfte sein. 

Sustainable Supply Chain Management ist deshalb der Anglizismus des Jahres und Nachhaltige Beschaffung das Gebot der Stunde, wenn man so will. Nur: bislang gibt es noch nicht genug umfangreiche Informationen, Rahmenbedingungen und Handlungsanleitungen, die Unternehmen bei der Umsetzung helfen. Die Informationsplattform nachhaltigebeschaffung.org trägt einen Teil dazu bei, diese Wissenslücke zu schließen. Dem Schweizer “Verein für Nachhaltige Beschaffung” als Betreiber wünsche ich deshalb viel Erfolg hoffe, dass möglichst viele Unternehmen dieses Informationsangebot in Zukunft nutzen werden.

Verfasst von: Robert Lecker | Januar 27, 2009

Über die Verantwortung heimischer Banken…

Attac legte gestern eine Liste mit österreichischen Banken vor, die nach wie vor Niederlassungen in Steueroasen wie den Cayman Islands, Malta oder Jersey unterhalten. Die Pressemitteilung und die besagte Liste gibt es auf der Attac-Homepage, Kurzmeldungen zur Thematik werden dieser Tage öfters über den Attac-Twitter-Client veröffentlicht. Zusammenfassend kann man sagen, dass auf dieser Liste alle relevanten österreichischen Finanzinstitute zu finden sind. Attac merkt dazu noch lakonisch an, dass die Liste “keinen Anspruch auf Vollständigkeit” erhebt und dass dies lediglich die Spitze eines Eisbergs sein könnte…

Schätzungen gehen davon aus, so Attac, dass dem österreichischen Staat dadurch jährlich bis zu zwei Milliarden Dollar an Steuereinnahmen entgehen… Natürlich ist dies eine Zahl, die von Attac vorgelegt wurde und bevor man die Banken verurteilt, wäre es interessant, eine Gegendarstellung der Kreditinstitute zu hören. Trotzdem, ohne in die derzeit gängige Wirtschafts-Krisen-Polemik zu verfallen, muss ich schon eines loswerden: 

Wie geht das zusammen, dass der österreichische Staat mit Steuergeld Rettungspakete für angeschlagene Banken beschließt, wenn dieselben Banken seit Jahren alle möglichen (legalen) Tricks anwenden, um sich wo nur möglich Steuern zu ersparen? Wo ist in dieser Hinsicht die viel beschworene Corporate Social Responsibility, die sich auch die Banken gern an die Brust heften? Immerhin sind das jene Banken, die auch gute Plätze im österreichischen CSR-Ranking einnehmen. Haben diese CSR-affinen Kreditinstitute noch nicht realisiert, dass CSR auch eine ökonomische Dimension hat? Dass es auch eine Facette unternehmerischer Verantwortung sein kann, dass man der Gesellschaft etwas von den erzielten Gewinnen zurück gibt? Aber “Erklärungen” und “Entschuldigungen” gibt es ja viele: Globaler Konkurrenzkampf, Shareholder-Value, Rendite- und Ertragssteigerung,  etc… 

…dabei ist “Fair Steuern” eines der nächsten großen Themen unternehmerischer Verantwortung, wie ich jüngst bei einem Vortrag über Nachhaltigkeits-Trends gehört habe. Dabei geht es darum, dass Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung auch insofern wahrnehmen, als dass sie nicht nur das unbedingt Nötige an Steuern abliefern, sondern sich dem Staat und der Gesellschaft gegenüber fair zeigen und “ehrlich” Steuern zahlen, ohne alles (legal) Denkbare zu tun, um sich jeden möglichen Cent zu sparen. So kann man einen guten Beitrag zu einer funktionierenden Gesellschaft leisten, so kann richtige CSR aussehen, die weit über Spenden-Schecks und andere Charity-Aktionen hinausgeht. Vielleicht sollte sich ein solches Bewusstsein auch in den Vorstandsetagen unserer Banken etablieren…

Verfasst von: Robert Lecker | Januar 14, 2009

Der Weg zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem

Das World Business Council For Sustainable Developement (WBCSD) veröffentlichte jüngst einen sehr aufschlussreichen Report über Nachhaltigen Konsum bzw. über das (derzeit noch schlechte) Verhältnis zwischem Konsum und Nachhaltigkeit. Das Dokument mit dem Titel ‘Sustainable Consumption Facts & Trends From a Business Perspective’ gibt es als PDF hier zum Download, auf Seite 6 gibt es übersichtliche Zusammenfassung der Thematik (in englischer Sprache).

Dass unternehmerische Verantwortung – also Corporate Social Responsibility – nur eine Facette eines nachhaltigen Wirtschaftssystem ist, liegt auf der Hand. Eine andere wichtige Facette ist natürlich auch der nachhaltige Konsum, oftmals auch als ‘ethischer Konsum’ bezeichnet. Sowohl Hersteller als auch Verbraucher müssen ihren Teil beitragen – das ist logisch und ist auch schon länger Teil des Nachhaltigkeits-Diskurses.

Besonders interessant war im Report des WBCSD für mich deshalb, dass auch auf das Verhältnis zwischen diesen beiden Facetten eingegangen wird. Hierbei geht es um die Frage, was Unternehmen tun können/sollen, um nachhaltigen Konsum auf Seiten der Verbraucher zu fördern. Beispiele hierfür wären Innovationen, besserer Preis und Produktnutzen bei nachhaltigen Produkten, bewusste Sortimentsgestaltung oder auch Bewusstseinsbildung über Werbe- und Imagekampagnen. Oder auch mehr Dialog mit Stakeholdern, um die Bedürfnisse nachhaltiger KonsumentInnen besser zu kennen. Schon allein diese Ausführungen machen den Report lesenswert. 

Trotzdem, so meine Ansicht, werden es immer wechselseitige Beeinflussungs-Prozesse sein, die gesellschaftlichen Wandel schaffen oder begünstigen. Das heißt: Unternehmen müssen KonsumentInnen hin zum Nachhaltigen Konsum beeinflussen, andererseits müssen aber auch KonsumentInnen die Unternehmen beeinflussen, Ihnen also durch Konsum oder Nicht-Konsum Rückmeldungen geben. Oder aber auch mit den Unternehmen in Kontakt und Dialog treten.

Dieses Modell der wechselseitigen Beeinflussung muss jedoch noch zusätzlich erweitert werden – denn Unternehmen und KonsumentInnen sind nicht die einzigen Aspekte. Als weitere Säulen einer nachhaltigen Entwicklung braucht es zusätzlich auch dementsprechende Rahmenbedingungen der Politik als auch die kritische Arbeit von NGOs und Medien, die als Kontrollinstanz dienen.

Erst durch diese vier Säulen – Unternehmen, KonsumentINNen, Politik, Kontrollinstanzen – und deren gegenseitigen Beeinflussungen kann der Weg zu einem nachhaltigen Wirtschafts- und Konsumsystem geebnet werden. Vollendet kann er aber meiner Ansicht nach erst werden, wenn die Gesellschaft schlussendlich als ganzes einen kulturellen Wandel vollzieht: weg von unserer derzeitigen Kultur der Maßlosigkeit und des allgegenwärtigen Konsums. Hin zu einer Kultur, in der ein weniger Ressourcen verschlingendes und konsumorientiertes Alltagsleben dominiert. So wie dies der Soziologie Karl H. Hörning vorschlägt, der Nachhaltigkeit als “kulturelle Revolution” bezeichnet – mehr Infos dazu gibt es hier.

Verfasst von: Robert Lecker | Januar 2, 2009

Das war 2008, das wird 2009…

Nach einer arbeitsintensiven Adventzeit, erholsamen Weihnachtsfeiertagen und einem herrlichen Kurzurlaub am Berg zum Jahreswechsel musste ich mir heute endgültig eingestehen, dass 2008 vorbei und 2009 da ist – also Zeit für einen kurzen Rück- und Ausblick, was in punkto CSR und in punkto ‚Fokus Verantwortung’ so gelaufen ist und laufen wird…

…der Rückblick:

Das Thema unternehmerische Verantwortung ist im abgelaufenen Jahr im öffentlichen Diskurs und vor allem medial stärker denn je in den Mittelpunkt gerückt worden. Verstärkt wurde dies in der zweiten Hälfte des Jahres zusätzlich noch durch die Finanz- und Wirtschaftskrise, die nach wie vor beinhart aufzeigt, wo ein Wirtschaftssystem, das nur auf Wachstum und Gewinn ausgerichtet ist, hinführen kann und dass nachhaltiges Wirtschaften die einzig adäquate Lösungsoption ist. 

CSR ist somit im Mainstream angekommen und zynisch betrachtet kann man das Wort „Verantwortung“ inzwischen schon als ein trendiges „Must Have“ im „Wording“ der Unternehmen bezeichnen – wobei natürlich alle Unternehmen schon seit „jeher verantwortlich gewirtschaftet“ haben, CSR für sie eine „gelebte Tradition“ ist und „wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung kein Widerspruch ist“. So jedenfalls die Otto-Normal-CSR-Texte aus mehr oder weniger geschickter PR-Feder – es bleibt für 2009 zu hoffen, dass man sich hierzu ein wenig mehr einfallen lässt…

Ein zumindest für mich wichtiges Ereignis war natürlich der Start des CSR-Weblogs ‚Fokus Verantwortung’: Diesen startete ich im Juli als ursprünglich “privat” geplantes Projekt, um im Rahmen meiner Diplomarbeit Überlegungen und Thesen im Kreis von Kollegen online zu stellen. Wie so oft im Leben kam es natürlich ganz anders als geplant, das ganze nahm eine Eigendynamik an und wurde zum meines Wissens ersten und einzigen CSR-Blog Österreichs, das nicht von einem Unternehmen oder einer CSR-Organisation betrieben wird.

Ein erstes Resümee: Der ‚Fokus Verantwortung’ hatte von August bis Jahresende mehr als 4000 Zugriffe zu verzeichnen, der stärkste Monat war der November mit mehr als 1.000. Der meistgelesene Artikel war ‚CSR und Finanzkrise: die (vorerst) letzte Runde’ mit knapp 300 LeserInnen. Mein persönlicher Lieblings-Artikel war der Gastbeitrag von Andreas Jaritz, der alles hatte, was meiner Meinung nach einen guten Blog-Artikel ausmacht: interessantes und noch kaum behandeltes Thema, schlüssige Argumentation und sprachliche Qualität sowie gute Zusatz-Infos über externe Verlinkungen… 

…der Ausblick:

Ich hoffe, die Qualität im ‚Fokus Verantwortung’ im Jahr 2009 weiter steigern zu können, mehr Gastbeiträge einzubauen und das Blog vor allem auf das ursprünglich geplante Themengebiet zu lenken: CSR und Unternehmenskommunikation sowie CSR-Kommunikation. Dazu wird es ab Mitte Jänner eine längere Serie an Posts geben.

Für mich persönlich wird 2009 in punkto CSR sicherlich viele neue Einsichten und Erfahrungen bringen, da ich ab nächster Woche bei respACT, der größten Unternehmensplattform für CSR in Österreich, arbeiten werde. Zu empfehlen ist übrigens auch deren CSR Jahresrückblick 2008.

Für die „CSR-Szene“ in Österreich erhoffe ich mir, dass die Blog-affine CSR-Leserschaft im neuen Jahr weiter wächst und somit auch mehr Diskussionen im ‚Fokus Verantwortung’ stattfinden. Im Bereich des CSR-Diskurses und der Literatur wäre es wünschenswert, wenn die seit Jahren stattfindenden Diskussionen über „richtige“ CSR und die damit verbundenen Vorteile in eine konkretere Diskussion über die richtige Implementierung und praktische Anwendung von CSR übergehen.

In diesem Sinne wünsche ich allen LeserInnen des ‚Fokus Verantwortung’ ein gute neues Jahr und hoffe, dass mehr Unternehmen die Notwendigkeit verantwortlichen Wirtschaftens erkennen. 

Verfasst von: Robert Lecker | Dezember 23, 2008

Weblogs als ideales Medium zur CSR-Kommunikation

Microsoft: ein Unternehmen, das im alltäglichen Sprachgebrauch gerne kritisiert wird. Von absturzgeplagten Betriebssystemen über monopolistische Geschäftsmodelle bis hin zur Rechtfertigung persönlicher Inkompetenz der ComputernutzerInnen muss der Softwarehersteller für so einiges her halten…

…aber: was man dem Windows-Konzern positiv anmerken muss ist, dass das Unternehmen schon seit Jahren eine rege Blogging-Kultur nach innen und außen betreibt. So kam es, dass ich jüngst im Rahmen eines Blog-Seminars (bei Microsoft) auf das Corporate Citizenship Blog von Microsoft Österreich gestoßen bin. Durch dieses Medium berichtet das Unternehmen seit Juli 2007 regelmäßig von seinen Corporate Citizenship Tätigkeiten oder zeigt relevante Entwicklungen und Themen auf, die den Bereich IT und CSR/CC betreffen - und dafür muss ich Microsoft schon eine kleine  Weihnachts-Amnestie aussprechen…

…denn durch diesen Anstoß habe ich mich erstmals mit dem Thema Weblogs als Medium zur CSR-Kommunikation beschäftigt und bin zu folgendem Resümee gekommen: Blogs eignen sich hervorragend für die CSR-Kommunikation und gehen, sofern richtig verwendet, mit dem CSR-Gedanken und Konzepten richtiger CSR-Kommunikation vorbildhaft konform:

  • Über ein Weblog kann man kontinuierlich und langfristig CSR-Inhalte kommunizieren, was glaubwürdiger ist als jede große Kampagne. CSR-Strategie und Werte werden so als ein kontinuierlicher Teil des Unternehmens aufgefasst – intern und extern.
  • Ein Weblog ist Pull-Kommunikation, das heißt, es bleibt allen Interessierten selbst überlassen, ob und wann sie das Blog lesen. Das Unternehmen stellt laufend Informationen zur Verfügung und steigert so seine Transparenz, ohne die Stakeholder mit Information zu “penetrieren”.
  • Durch die Kommentar-Funktion im Blog ist ein Feedback für jedermann und jederfrau möglich. Das kann eine Form von Stakeholder-Dialog und Kommunikation auf Augenhöhe ermöglichen, wie es ein zentraler Bestandteil “guter” CSR ist.
  • Über die Einbindung externer  Quellen und Verlinkungen kann man für Interessierte nähere Informationen zur Verfügung stellen. Dadurch kann man verschiedene Dialoggruppen mit unterschiedlichen Informationsbedürfnissen mit nur einem Medium bedienen.
  • Über die Verlinkungen zu anderen Blogs, wie in der Blogosphäre üblich, kann man Informations-Netzwerke schaffen zwischen verschiedenen CSR-affinen Unternehmen, NGOs, öffentlichen Organisation oder Stakeholder-Gruppen…

…kurz und knapp: Weblogs sind ein ideales “CSR-Medium”, eine perfekte Ergänzung zum klassischen CSR-Reporting und es verwundert somit nicht, dass Unternehmen es  zunehmend für die CSR-Kommunikation verwenden.

Allein, die hier  beschriebenen Charakteristika sind eben – wie so oft – nur Idealvorstellungen. In der Realität werden die Möglichkeiten des Mediums meines Erachtens bislang noch nicht vollends ausgeschöpft, was zweierlei Faktoren hat: Einerseits ist sowohl die mit CSR verbundene Denk- und Kommunikationsweise noch nicht ganz angekommen, andererseits steckt auch eine adäquate Nutzungs- und Kommunikations-Kultur im Web 2.0 noch eher in Kinderschuhen – beide Faktoren betreffen sowohl Unternehmen als auch Stakeholder und Öffentlichkeit. Dies gilt jetzt aber nicht für Microsoft im Speziellen, sondern für viele andere Unternehmen auch.

Was notwendig wäre, um die Potentiale von Weblogs (bzw. CSR-Kommunikation generell) im Sinne des CSR-Gedankens umzusetzen: Mehr Offenheit, mehr Transparenz, mehr Authentizität, weg vom klassischen Pressemitteilungs-Stil und vor allem mehr Dialog – auch wenn für letzteres auch eine am Dialog interessierte Öffentlichkeit notwendig ist…

Wer weitere interessante Beispiele von CSR- oder CC-Blogs hat, bitte als Kommentar posten oder mich per Mail informieren. Aber nun genug der fachlichen CSR-Worte, zum Abschluss möchte ich allen LeserInnen des ‘Fokus Verantwortung’ noch ein besinnliches Weihnachtsfest und erholsame Feiertage wünschen. Liebe Grüße, Robert Lecker.

Verfasst von: Robert Lecker | Dezember 18, 2008

EU Worst Lobbying Awards vergeben

Corporate Communicative Responsibility, oder auf gut Deutsch kommunikative Verantwortung – dieser von Franzisca Weder definierte Begriff beschreibt eine wichtige Schnittstelle von Corporate Social Responsibility und Unternehmenskommunikation. Kurz gesagt geht es dabei darum, dass auch Kommunikation eine Verantwortungsdimension darstellt und dass es für Unternehmen bzw. für Kommunikatoren neben der ökologischen, sozialen und ökonomischen Verantwortung (Tripple Bottom Line der CSR) eben auch eine kommunikative Verantwortung gibt, die sich vor allem durch eine transparente, ehrliche, authentische und dialogische Kommunikation auszeichnet…

…dass dies in der Praxis nicht immer gilt und dass vor allem in der Disziplin des Lobbyings solche Tugenden mitunter zu kurz kommen können, ist jedoch kein Geheimnis. Um solche Praktiken an den öffentlichen Pranger zu stellen, wurden jüngst die ‘Worst EU Lobbying Awards 2008″ vergeben. Die Gewinner sind eine Agro-Sprit-Lobbygruppe für irreführende Informationen und Greenwashing gegenüber dem europäischen Parlament sowie eine finnische Europaabgeordnete, die als aktives Mitglied des Europäischen Parlaments privatwirtschaftliche Interessen einer Bankengruppe vorantrieb. 

Für eine genauere Beschreibung der SiegerInnen und der nominierten KandidatInnen sowie für die genauen Ergebnisse der Abstimmung bitte direkt hier auf der Worst EU Lobbying Awards Seite nachlesen.

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